Geschichte der Burg

Von den zahlreichen rund um Bremen im Mittelalter von den Erzbischöfen angelegten Befestigungsanlagen und Verwaltungssitzen ist die Burg Hagen eine der wenigen, die die Jahrhunderte überdauert hat und auf eine 800jährige Geschichte zurückblicken kann.

 

Um 1200

Zum Schutz der Bramstedter Kirche erwählt Erzbischof Hartwig II. die feuchte Aueniederung als idealen Platz für eine Verteidigungsanlage gegen die aufständischen Stedinger Bauern. Auf einem künstlich angelegten Hügel entsteht zunächst eine Holzburg, die durch die morastige und aufstaubare Umgebung wie eine Wasserburg nahezu uneinnehmbar ist.

 

1234

Dennoch gelingt den Stedingern 1212 nach einer Belagerung die Eroberung durch Brandschatzung. Doch das große Kreuzzugsheer des Erzbischofs Gerhard II., einem Nachfolger Hartwigs II., besiegt die Stedinger 1234 in der Schlacht bei Altenesch endgültig. Die Burg dient nun neben der Verteidigung der Verwaltung. Ein Vertreter des Erzbischofs, ein Drost oder Vogt, führt die Amtsgeschäfte.

Seine Aufgaben sind:
– die kirchliche Verwaltung
– die Gerichtsbarkeit
– die weltliche Verwaltung

Es werden Verträge ausgestellt, Steuern eingezogen, Gericht gesprochen, die Aufsicht über Maße und Gewichte geführt und Rekrutierungen vorgenommen.

 

1248

Die Staleke wird in einem Kaufvertrag erwähnt: „Geschehen bei Schloss Hagen, nahe der Eiche, die der Volksmund Staleke nennt, mündlich verhandelt am Tage der Seeligen Jungfrauen und Märtyrer (13. Mai) im Jahre des Herrn 1248“.

 

1278

Inzwischen ist aus dem Holzbau ein „Festes Haus“ geworden, in dem auch eine Burgkapelle vorhanden ist, denn in einer Urkunde wird ein „Johannes capellanus“ genannt.

 

1307

Ein weiterer Feind des Erzbistums ist der Rat der Stadt Bremen, der in Konkurrenz zur bischöflichen Verwaltung in Bremen steht. 1307 wird die Burg durch stadtbremische Soldaten erobert, kann aber vom erzbischöflichen Heer zurückerobert werden. Die Kriegsschäden werden beseitigt.

 

Anfang 16. Jahrhundert

Die Burg erhält ihre heutige Gestalt. Erzbischof Johann Rode (1497 – 1511) erwählt die Burg zum Sommersitz und verbringt hier die letzten 5 Jahre seines Lebens. Auf seine Veranlassung wird der in Verfall geratene Bau erneuert und bekommt seine heutige Größe von 30 Meter Länge und 10 Meter Breite. In dem Backsteinbau aus Klosterformatsteinen entstehen ein neues Kellergeschoss, zwei Haupt-etagen, zwei Kornböden unter dem steilen Dach und die Kapelle wird mit Wandmalereien geschmückt. Die heute noch vorhandenen Deckenbalken sind dendrochronologisch datiert auf das Jahr 1502.

Johann Rode erstellt hier das Verzeichnis über „alle Güter und Rechte der Bremer Kirche“.

 

1575

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts geschieht etwas Ungewöhnliches in der Burg zu Hagen. Erzbischof Heinrich III. von Sachsen-Lauenburg heiratet am 25. Oktober 1575 in der Kapelle der Burg Anna von Broich, die Tochter eines Bürgermeisters aus Köln. Diese Heirat eines Erzbischofs ist möglich, weil sich inzwischen die Reformation im Norden Deutschlands durchgesetzt hat. Zu dieser Zeit sind die Kapelle und das Obergeschoss mit einer neuen Malerei, der sogenannten Vorhangmalerei ausgestattet.

 

Um 1600

Um 1600 herrscht reges Leben auf der Burg. Zum Hauspersonal gehören 23 Personen, darunter ein Fischer, der die Fischerei auf dem Mühlenteich und in Lune und Weser betreibt. Zwei Vorwerke in Hagen und in Bruch versorgen die Bewohner der Burg mit Naturalien. 1566 sind in der Speisekammer belegt: 76 Stück Rindfleisch, 13 Rinderzungen, 23 Seiten Speck, Pökelfleisch, 11 Schweineköpfe, Mettwürste, Gänse, Hühner, 190 Pfund isländischer Fisch, Heringe, Salz, Essig und 1 3/4 Fässchen Butter. Im Bierkeller befinden sich 5 Fässer Bier unterschiedlicher Art. Ein Back- und ein Brauhaus sowie eine Zehntscheune gehören zur Burganlage.

 

1618 – 1648

Der Dreißigjährige Krieg zwischen der Katholischen Liga und den Protestanten bringt dänische und schwedische Besetzungen in die Burg, doch bleibt sie von vernichtenden Kämpfen verschont.

1648 ist aus dem Erzstift Bremen das weltliche Herzogtum Bremen und Verden geworden.

 

1646

Der schwedische Reichsrat und Diplomat Schering Rosenhane erhält die Burg als Belohnung für seine Verdienste bei den Friedensverhandlungen im Westfälischen Frieden zu Münster und Osnabrück. Sie wird ihm erbeigentümlich als Donation vergeben, so dass nach seinem Tode 1663 seine Söhne als Erben das Amt Hagen verwalten, bis es 1681 an den schwedischen Staat zurückfällt.

In der Regierungszeit Schering Rosenhanes wird ein neues Amtshaus auf dem Amtsdamm gebaut. Die Burg dient als Kapelle, Unterkunft für Fremde, und das Obergeschoss ist der Familie Rosenhane vorbehalten, die im Sommer 1653 mehrere Monate in Hagen verbringt.

Der schwedische Herr legt an der Burg und am Vorwerk mehrere Gärten an, unter anderem einen Hopfengarten für die Bierbrauerei und Fischteiche. Aus der Verteidigungsanlage ist nun ein herrschaftliches Gut geworden mit einer Eichenallee zwischen Burg und Vorwerk.

 

1700 – 1720

Der große Nordische Krieg mit der Niederlage Schwedens beendet die schwedische Zeit in unserem Gebiet. Gegen hohe Entschädigungszahlungen kommt das Herzogtum Bremen und Verden an das Kurfürstentum Hannover unter Kurfürst Georg Ludwig. Dieser und seine Nachfolger sind von 1714 bis 1837 zugleich Könige von Großbritannien, deshalb regiert in Hannover das Geheime Ratskollegium. Auch in der hannoverschen Zeit, wie in den vorangegangenen Jahrhunderten, versucht die Landesherrschaft möglichst hohe Gelderträge in Form von Steuern aus dem Besitz zu gewinnen.

 

1720 – 1866

In hannoverscher Zeit finden sich einige erwähnenswerte Amtmänner:

Ernst Johann Heinrich Dieterichs war von 1741 – 1755 Amtschreiber und dann von 1755 – 1758 Amtmann in Hagen. Sein in Holz geschnitztes Wappen und ein Lederstuhl mit dem Familienwappen sind in der Kapelle zu betrachten.

Otto Christoph Heise, Amtmann von 1781 – 1801, hat sich um die Moorkolonisation verdient gemacht. Die Moorkolonien Heise und Oberheise bei Hollen sind nach ihm benannt.

Christoph Schröder, für kurze Zeit (1810-1813) Maire in Hagen. Danach ist sein Titel wieder Amtmann. Das Königreich Westphalen, unter Jerome, genannt „Könik Lustig“, dem Bruder Napoleons, existiert nicht mehr. Die französische Zeit ist beendet.

Wilhelm Georg Kestner, Amtmann von 1825 – 1844, ist ein Sohn von Charlotte Kestner, geb. Buff, jene Lotte, die Johann Wolfgang v. Goethe zu dem Roman „Die Leiden des jungen Werther“ angeregt hat.

W. G. Kestner war eng mit Hermann Allmers befreundet.

 

1820

Die Kapelle in der Burg wird geschlossen. Hagen bemüht sich um eine Loslösung von der Mutterkirche Bramstedt. Das führt 1897 zum Bau der Martin-Luther-Kirche. Die Burg wird noch als Gefängnis benutzt.

 

1846

Der König von Hannover verfügt in einer Verwaltungsreform die Trennung von Verwaltung und Justiz, was in Hagen, als Gerichtsort vergangener Jahrhunderte, den Bau eines Amtsgerichtes mit Gefängnis bewirkt. In der Burg werden Wohnungen für die Bediensteten des Gerichtes eingerichtet.

 

1866

Das Königreich Hannover wird von Preußen annektiert und erlischt.

 

1887

Nach Jahrhunderten der Existenz wird das Amt Hagen als Verwaltungseinheit aufgelöst und dem Kreis Geestemünde zugeschlagen.

 

1971

entsteht das „Alte Amt Hagen“ in Form der Samtgemeinde Hagen neu.

 

1974

Bei einer Justizreform wird das Amtsgericht in Hagen aufgelöst, wodurch die Burg als Wohngebäude nicht mehr benötigt wird.

 

1978 – 1988

Intensive Bauuntersuchungen fördern neue Erkenntnisse zum Burgbau und zu den bis dahin unentdeckten Wandmalereien in der Kapelle zu Tage.

 

1988

Die Burg Hagen wird im Juni als Kulturstätte und Standesamt wieder eröffnet und der Kultur- und Heimatverein „Burg zu Hagen im Bremischen e.V.“ mit der Organisation der Kulturveranstaltungen betraut. Der Landkreis Cuxhaven übernimmt die Trägerschaft.